Trendmonitor Interne Kommunikation 2026
Die fünf zentralen Erkenntnisse aus der Studie
Die interne Kommunikation steht an einem entscheidenden Punkt. Ihr strategischer Anspruch ist höher denn je – gleichzeitig kämpfen viele Teams mit begrenzten Ressourcen, unklaren Rollen und fehlender Wirkungsmessung. Der Trendmonitor Interne Kommunikation 2026, herausgegeben von der School for Communication and Management (SCM) und Staffbase, macht diese Spannungen sichtbar.
Die Studie basiert auf den Antworten von 431 Fach- und Führungskräften aus der internen Kommunikation im DACH‑Raum und zeichnet ein differenziertes Bild davon, wie interne Kommunikation heute organisiert ist, welche Ziele sie verfolgt und wo zentrale Herausforderungen liegen.
Der vollständige Studienbericht kann separat heruntergeladen werden.
Im Folgenden fassen wir hier die fünf wichtigsten Erkenntnisse aus dem Trendmonitor zusammen:
1. Interne Kommunikation will strategisch wirken – arbeitet aber oft ohne strategisches Fundament
Interne Kommunikation wird heute klar als strategischer Erfolgsfaktor verstanden. Fast alle Befragten sind überzeugt, dass eine definierte IK‑Strategie wichtig oder sehr wichtig ist. In der praktischen Umsetzung zeigt sich jedoch ein anderes Bild.
Nur 17 % der Organisationen verfügen über eine professionell ausgearbeitete, schriftlich fixierte IK‑Strategie.
53,9 % arbeiten mit grundlegenden Leitlinien, aber ohne umfassendes strategisches Konzept.
23,6 % geben an, gar kein schriftliches Konzept zu haben – häufig aus Zeit‑ oder Budgetgründen.
Im Gegensatz dazu stufen 31 % der Befragten eine definierte Strategie als eher wichtig, 66 % sogar als wichtig ein.
Diese Diskrepanz zwischen Überzeugung und Umsetzung zieht sich wie ein roter Faden durch die Studie. Interne Kommunikation soll Orientierung geben, Transformation begleiten und Kultur prägen – agiert dabei jedoch oft ohne das strategische Fundament, das für genau diese Aufgaben notwendig wäre.
Der Trendmonitor zeigt damit deutlich: Der strategische Anspruch der IK ist angekommen. Die strukturellen Voraussetzungen dafür sind es vielerorts noch nicht.
2. Die Ziele der internen Kommunikation haben sich grundlegend verschoben
Ein besonders deutlicher Befund des Trendmonitors 2026 ist der Wandel der Zielsetzungen. Während interne Kommunikation früher vor allem als Informations‑ und Wissenstransferinstanz verstanden wurde, stehen heute andere Aufgaben im Vordergrund.
Die wichtigsten Ziele der internen Kommunikation im Jahr 2026 sind:
54,1 %: Verständnis für wirtschaftliche Ziele, Strategien und Entscheidungen schaffen
44,7 %: Unterstützung von Change‑ und Transformationsprozessen
31,7 %: Unterstützung der Führungskräfte bei ihrer Kommunikation
29,9 %: Förderung von Identifikation und Mitarbeiterbindung
Der klassische Wissenstransfer, der in früheren Erhebungen (Trendmonitor 2022 und Internal Communications Monitor 2024) noch dominierte, spielt 2026 nur noch eine nachgeordnete Rolle.
Diese Verschiebung zeigt: Interne Kommunikation wird zunehmend als Orientierungs- und Übersetzungsfunktion verstanden. Sie soll nicht mehr nur informieren, sondern einordnen, erklären und Sinn stiften, insbesondere in Phasen von Veränderung und Unsicherheit.
3. Wirkungsmessung bleibt eine der größten Dauerbaustellen
Kaum ein Thema macht die Kluft zwischen Anspruch und Realität so sichtbar wie die Erfolgskontrolle. Zwar ist die Bedeutung von Wirkungsmessung in der internen Kommunikation nahezu unumstritten, doch in der Praxis wird sie weiterhin selten umgesetzt.
Nur 32,8 % der Befragten geben an, über Mechanismen zur systematischen Erfolgskontrolle zu verfügen.
56,3 % messen die Wirkung ihrer internen Kommunikation gar nicht.
Als Hauptgründe nennen die Befragten:
49,4 %: fehlende Ressourcen
17,6 %: mangelndes Know‑how
17,1 %: fehlendes Interesse oder Priorisierung
Interessant ist dabei ein weiterer Befund: Dort, wo gemessen wird, verschiebt sich der Fokus weg von reinen Nutzungskennzahlen hin zu qualitativeren Größen.
Am häufigsten erfasst werden:
77,2 %: Engagement‑ und Beteiligungswerte
47,5 %: Stimmungslagen
31,7 %: Relevanz von Inhalten
Gleichzeitig wünschen sich viele Kommunikator*innen genau die Kennzahlen, die heute noch kaum erhoben werden – etwa Verhaltensänderungen (68,7 %) oder tatsächliches Verständnis von Inhalten (67,7 %).
Der Trendmonitor macht deutlich: Wirkungsmessung ist anerkannt, aber strukturell noch nicht verankert.
4. Führungskräfte gelten als Schlüssel – sind aber selten ausreichend befähigt
Die Rolle von Führungskräften ist eines der zentralen Spannungsfelder der Studie. Nahezu einhellig werden sie als entscheidender Faktor für die Wirksamkeit interner Kommunikation gesehen.
Über 85 % der Befragten bewerten den Einfluss von Führungskräften auf die Wirksamkeit der IK als hoch oder sehr hoch.
Gleichzeitig nennen viele genau hier die größten Hürden:
Fehlendes Kommunikationsverständnis (rund 75 %)
Zeitmangel (63 %)
Unklare Rollenverteilungen (38,2 %)
Geringe Motivation (34,8 %)
Zwar erhalten Führungskräfte häufig Informationen, Leitfäden oder Briefings aus der Kommunikationsabteilung, doch systematische Befähigung – etwa durch Trainings, Coachings oder digitale Tools – ist deutlich seltener.
Der Trendmonitor zeigt damit eine paradoxe Situation: Führungskräfte werden als Schlüsselakteur*innen betrachtet, ohne dass sie konsequent auf diese Rolle vorbereitet werden. Interne Kommunikation kann diese Lücke nur bedingt schließen.
5. Künstliche Intelligenz ist im Alltag angekommen – aber noch nicht strukturell verankert
Kaum ein Thema hat sich so dynamisch entwickelt wie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Innerhalb kurzer Zeit ist KI vom Experiment zum festen Bestandteil des IK‑Alltags geworden.
85,6 % der Befragten nutzen KI bereits in ihrer täglichen Arbeit.
Am häufigsten kommen textbasierte Tools wie ChatGPT (93,9 % der KI‑Nutzer*innen) sowie Übersetzungstools wie DeepL (72,4 %) zum Einsatz.
Die Haltung gegenüber KI ist überwiegend positiv:
92,3 % sehen KI als Chance für die interne Kommunikation.
Gleichzeitig zeigt sich ein strukturelles Spannungsfeld. Ein Teil der Befragten nutzt KI nicht, weil sie es schlicht nicht dürfen:
42,4 % der Nicht‑Nutzer*innen geben an, dass der Einsatz aus betrieblichen Gründen untersagt ist.
Damit wird deutlich: KI ist zwar in der Praxis angekommen, organisatorische Leitplanken, Richtlinien und Freigaben hinken jedoch hinterher.
Fazit: Interne Kommunikation zwischen Anspruch und Realität
Der Trendmonitor Interne Kommunikation 2026 zeichnet ein Bild voller Ambivalenzen. Die interne Kommunikation soll strategisch wirken, Veränderung begleiten und Orientierung geben. Gleichzeitig fehlen vielerorts die Ressourcen, Strukturen und Konzepte, um diesem Anspruch gerecht zu werden.
Die fünf zentralen Erkenntnisse machen deutlich:
Der strategische Anspruch ist da, das strategische Fundament oft nicht.
Die Ziele der IK haben sich klar in Richtung Orientierung und Change verschoben.
Wirkungsmessung bleibt ein ungelöstes Kernthema.
Führungskräfte sind entscheidend, aber selten ausreichend befähigt.
KI ist allgegenwärtig, jedoch organisatorisch noch nicht vollständig integriert.
Für die kommenden Jahre wird entscheidend sein, ob es gelingt, Anspruch und Realität näher zusammenzubringen. Dies muss möglich werden durch klare Strategien, bessere Befähigung von Führungskräften, etablierte Wirkungsmessung und verlässliche Rahmenbedingungen für neue Technologien.
Der Trendmonitor Interne Kommunikation 2026 liefert dafür eine fundierte Grundlage und viele Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung der internen Kommunikation.